Fazili…was?

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Das Euro-Symbol vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Nur wenige Artikel über die Eurokrise kommen ohne es als schmückendes Beiwerk aus, und dieser hier ist da keine Ausnahme. Foto von UggBoy UggGirl auf flickr

Die deutsche Politik macht Urlaub. Hier und da meldet sich noch ein Politiker aus seiner Sommerresidenz zu Wort, doch im Großen und Ganzen ist Sendepause. Da bietet es sich doch geradezu an, dem geneigten Leser, der vielleicht jüngst, durch lauter unverständliche Wirtschaftsbegriffe in der Presse frustriert, zum eher abgeneigten Leser wurde, diese Begriffe einmal in Ruhe zu erläutern.

Bonität, EFSF und Eurobonds – überall wimmelt es von Wirtschafts-Sprech und wenn man nicht gerade Hobby-Ökonom ist, versteht man nur die Hälfte. Wie ist nun also der Stand der Dinge in Europa, warum streiten sich alle und was haben diese mysteriösen Eurobonds damit zu tun? Das Grundproblem wird wohl jeder soweit noch mitbekommen haben: Die Staaten, die zusammen die Währung Euro führen, haben von selbigem zu wenig. Wie können sich Staaten also Geld beschaffen?

Eine Möglichkeit ist, sich von jedem der Geld hat, auch von dir und mir, welches zu borgen. Wir haben davon, dass uns der Staat versichert, uns das Geld nach der vereinbarten Zeit mit Zinsen wieder zurückzugeben und der Staat kann dafür damit machen, was er will. Was der Staat dir gibt, ist also erst einmal nicht mehr, als ein Versprechen, nämlich, dass er seine Schulden bei dir zurückzahlt (in Deutschland heißt so ein Versprechen z.B. Bundesschatzbrief). Weil du ihm das glaubst, wirst du Gläubiger und der der Staat Schuldner genannt. Wenn du dir aber im Vorfeld des Verleihens nicht so richtig sicher bist, ob Gevatter-Staat es auch wirklich schafft, dir dein Geld zurückzuzahlen, weil man munkelt, dass seine Steuereinnahmen immer weniger werden und überhaupt das Land den Bach runter geht (man möge zur Illustration nun an Griechenland denken), dann willst du sicher, als Gegenleistung für dein erhöhtes Risiko, auch wesentlich mehr Zinsen von ihm bekommen.

Aber woher weiß man nun, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Staat auch hält, was er verspricht? Da kommen nun die viel gescholtenen Rating Agenturen, wie Standard & Poor’s oder Moody’s, ins Spiel. Sie durchleuchten die Finanzlage von allen möglichen Institutionen, die sich irgendwo Geld leihen (quasi wie die Schufa), und geben dann eine Einschätzung ab, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass du von diesem und jenem dein Geld zurückbekommst. Diese Wahrscheinlichkeit nennt man Bonität. Zur Bewertung verwenden sie Noten zwischen AAA und D, die sich zwischen den Agenturen leicht unterscheiden. Zu merken ist aber: A besser als B, Plus natürlich besser als Minus und je mehr Buchstaben, desto besser. Da sich viele Anleger nun auf deren Urteil verlassen, kann die Herabstufung eines Staates, was in Europa gefühlt alle zwei Minuten passiert, kräftige Konsequenzen haben. Dann wollen die Leute für ihr verliehenes Geld nämlich auf einmal alle höhere Zinsen.

Im Moment sieht es für viele Staaten in der Euro-Zone (nicht zu verwechseln mit der EU, denn nicht alle EU-Staaten haben auch den Euro, man denke z.B. an Großbritannien), wirtschaftlich ziemlich schlecht aus und darum müssen sie für jeden Penni erdrückend hohe Zinsen zahlen. Am akutesten betroffen sind die sogenannten PIIGS-Staaten: Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Einige von ihnen waren sogar kurz davor (oder wie Griechenland schon dabei) ihre Schulden nicht mehr zu bezahlen. Das wäre der schlimmste Fall, weil, wenn man sein Versprechen gebrochen hat, einem keiner mehr glaubt. Und „glauben“ heißt ja in diesem Fall, „Geld geliehen bekommen“.

Um das zu verhindern, haben sich die Euro-Staaten zusammengetan, um ein gemeinsames großes Etwas zu schaffen, dem du dein Geld geben kannst: die EFSF. Besser bekannt als Euro-Rettungschirm, von einigen aber auch liebevoll Europäische Finanzstabilisierungs-Fazilität genannt.

Der kann man nun, genauso wie den Staaten, Geld leihen. Nur traut man der EFSF wahrscheinlich mehr über den Weg, weil hinter ihr nicht nur ein einziges armes, sondern alle Euro-Staaten stehen und mit einem Teil ihres Vermögens dafür haften, dass die Kredite auch zurückgezahlt werden. Darum hat die EFSF auch von fast allen Rating-Agenturen die beste Bonitäts-Bewertung. So der Trick an der Sache ist nun, dass ein Land, wie Irland im Januar 2011, zur EFSF sagen kann, sie solle bei irgendwem mal einen Kredit aufnehmen, wie gesagt z.B. bei mir oder dir, und das Geld dann nach Irland weiterreichen. So kriegt Irland günstig Geld (denn Irland = hohe Zinsen, EFSF = niedrige) und zahlt es auch selber zurück.

So hier könnten wir jetzt eigentlich auch aufhören, wenn da nicht noch ein Haken an der Sache wäre: Sie bekommen die Kredite nämlich nur dann, wenn, so heißt es auf bundesfinanzministerium.de, „sich die betroffenen Länder verpflichten, drastisch zu sparen.“ Und weiter: „Die Auszahlung der zugesagten Programmmittel ist an die strikte Einhaltung der finanz- und wirtschaftspolitischen Auflagen gekoppelt“, welche von der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds (der sogenannten Troika), streng überwacht werden würden. Darum hört man also ständig, dass mal wieder die versammelte Troika-Delegation nach Griechenland gereist ist, nur um festzustellen, dass sich immer noch nicht viel gebessert hat und deshalb damit droht, den nächsten Teil der Kredite nicht zu vergeben.

Auf derartige Zugeständnisse und Einmischungen sind die Staaten natürlich gar nicht erpicht und so regt sich Unmut unter den Schuldner-Ländern. Deren Zauberwort sind darum Eurobonds. Diese würden bedeuten, dass alle Euro-Länder die Schulden von allen anderen bezahlen: eine sogenannte Schuldenunion würde entstehen. Jedes arme Euro-Land könnte sich so von uns zu günstigen Zinsen Geld leihen, da nicht nur es selber dafür bürgt, dass wir das Geld zurückbekommen, sondern alle Euro-Länder. Darum ist das Risiko für uns geringer und wir sind eher bereit, weniger Zinsen zu verlangen. Angela Merkels Meinung dazu aber ist: „Es gibt keine gemeinsame Haftung solange ich lebe!“ So stehen sich die Länder erbittert gegenüber, je nachdem ob sie durch Euro-Bonds mehr oder weniger  Zinsen bezahlen würden.

Das ist im Großen und Ganzen der Stand der Dinge. Bleibt nur zu hoffen, dass unsere Politiker gut ausgeruht und möglichst bald wieder an die Arbeit zurückkehren, denn auch wenn die Politiker gerade Urlaub haben mögen, die Krise gönnt sich leider keinen.