Die Exzellenz, die nichts bringt

Hat keinen Elitestatus bekommen: Die JGU Mainz. Foto: Sebastian Gubernator

Die Johannes Gutenberg-Universität hat es nicht geschafft, das Prädikat „Elite-Uni“ zu ergattern. Das ist schade für uns Mainzer Studenten, war aber angesichts der harten Konkurrenz nicht anders zu erwarten. Mainz hatte eben nie einen so guten Ruf wie Heidelberg, Konstanz oder Tübingen – auch wenn sich zumindest unsere Physiker und Chemiker im Vergleich sehen lassen können und von der Exzellenz-Initiative profitieren.

Den sechs alten und fünf neuen Elite-Universitäten sei ihr Status also gegönnt. Sie haben sich sicher mächtig ins Zeug gelegt, um die Jury zu beeindrucken, und es wird gute Gründe geben, dass gerade diese Universitäten ausgezeichnet wurden.

Kritik gilt jedoch den Politikern von Bund und Ländern, die die Exzellenz-Initiative ins Leben gerufen haben; mehr noch, Kritik gilt der Exzellenz-Initiative an sich, denn sie begeht zwei gravierende Fehler:

Erstens: Die Initiative bringt den Studenten nichts. Bisher diente sie allein der Forschungsförderung; die grundständige Lehre, etwa das Bachelor-Studium, durfte mit den Exzellenz-Geldern nicht finanziert werden. Zum Teil wurden Top-Forscher sogar von ihrer Lehrverpflichtung entbunden. Erst jetzt, im dritten Durchlauf der Exzellenz-Initiative, wurden „auch innovative Konzepte zur forschungsorientierten Lehre in der Begutachtung der Zukunftskonzepte berücksichtigt.“ Doch nach wie vor gilt: Das Geld fließt in erster Linie in die Forschung. Eine bessere Betreuung der Studenten wird es auch an Elite-Universitäten nicht geben.

Zweitens: Die Initiative bringt den meisten Unis nichts. Es werden Universitäten gefördert, denen es ohnehin gut geht, während andere Hochschulen mit finanziellen Problemen kämpfen. An der Universität Trier sind vergangene Woche Studenten und Mitarbeiter auf die Barrikaden gegangen, um gegen Etatkürzungen zu protestieren; ein Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft prognostiziert, dass dort Professorenstellen, vielleicht sogar ganze Fächer und Fachbereiche gestrichen werden müssen. Wäre es nicht sinnvoll, solche Unis verstärkt zu fördern? Denkbar wäre etwa ein Modell, bei dem eine finanzielle Unterstützung an die Bedingung gekoppelt ist, bessere Zukunftskonzepte zu erarbeiten – ähnlich wie bei der Exzellenz-Initiative, nur ohne den Elitegedanken.

Es geht hier keineswegs darum, Unis mit hervorragendem Ruf und elitärem Flair schlechtzureden. Es ist schön, dass wir Universitäten haben, die in Forschung und Lehre brillieren und sich im internationalen Wettbewerb behaupten können. Doch wir sollten uns auch bewusst machen, dass es gerade die Egalität und die große Durchlässigkeit sind, mit denen das deutsche Bildungssystem punktet. Hervorragende Forschung sollte gefördert werden – aber bitte nicht auf Kosten der Lehre und der breiten Masse!